Chronik Seite 2

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Da die POS als Vorbereiter des Abiturs nun nicht mehr genügte, erfolgte im Frühjahr 1990 die Einrichtung sogenannter Leistungsklassen für die Jahrgangsstufen 9 und 10, für deren Einrichtung die Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises kräftig die Werbetrommel rührte. Die Resonanz war groß. Indem der Zugang zum Abitur geöffnet wurde, konnte dem Wunsch vieler Eltern Rechnung getragen werden, die zentrale Förderung nicht auf eine begrenzte Schüleranzahl zu beschränken. Allerdings ergab sich daraus ein grundlegendes Problem: Die Kapazität der vorhandenen EOS „Wilhelm von Humboldt“ reichte nicht mehr aus, um den nun stark gestiegenen Bedarf an Plätzen abdecken zu können. Also wurde die Gründung einer zweiten Erweiterten Oberschule beschlossen. Der neue Schulrat Herr D. Müller favorisierte den zu diesem Zeitpunkt noch an der Leipziger Universität tätigen Dr. Albrecht Klose für die verantwortungsvolle Aufgabe des Aufbaus und der Leitung der EOS II. Der Pädagoge und Dozent stellte sich dieser Anforderung und wurde tatkräftig durch Herrn Jürgen Köhler, den bis 1987 tätigen Schulleiter der POS „Werner Seelenbinder “ in Ilfeld, unterstützt. Mehr noch. Dr. Klose würdigt dessen Schaffen in der Gründungs- und Aufbauzeit der Schule als wegweisend und führend, zollt seinem uneigennützigen Engagement mit den Worten „Er hat diese Schule das Laufen gelehrt.“ höchsten Respekt.

Im Gegensatz zur Humboldt-EOS, das als naturwissenschaftlich ausgerichtet galt, basierte die Konzeption für die neue „Penne“ auf einer speziell sprachlichen Orientierung, so Englisch, Französisch, Latein neben Russisch. Auch die Überlegungen bzgl. der Namensgebung wurden davon geleitet. Die Entscheidung fiel zugunsten des Geschichts- und Religionsphilosophen und bedeutenden Literaturtheoretikers Johann Gottfried Herder.

In Nordhausen boten sich zwei Schulen als Standort an: die Diesterweg-Schule, in der ab Klasse 3 Russisch unterrichtet wurde, sowie die Gagarin-Schule. Beide wiesen zudem als Schulen mit erweitertem Fremdsprachenunterricht ein ansprechendes Potential an erfahrenen Kollegen auf. Letztendlich erwies sich die Juri-Gagarin-Schule, Am Salzagraben, als doppelt günstig: Von der Größe her entsprach sie den Schülerzahlen und konnte, wenn notwendig, über die angrenzende Lenin-Schule erweitert werden. Gleichzeitig bot sie mittels der nahen Bahnanbindungen `Am Altentor` und Bahnhof Salza eine zentrale Stelle für einen nordwestlichen Einzugsbereich des Landkreises.

Zahlreiche Lehrer, nicht nur aus der Gagarin-Schule, bewarben sich über das demokratische Gremium des Pädagogenrates um eine Stelle. Ziel war es, einen Lehrkörper zu schaffen, der dem neuen Profil der Leistungsklassen und der sprachlichen Ausrichtung entsprach. So konnten Russisch und Deutsch mittels des Gagarin-Lehrerstammes abgedeckt werden. Als problematischer erwiesen sich Englisch und Französisch, ganz zu schweigen von Latein. Empfehlungen und sogenannte Lehrerlisten halfen der Situation Herr zu werden. Allerdings minderten sie die Ängste und Unsicherheiten unter den Pädagogen der Gagarin-Schule nicht, die nun als Polytechnische Oberschule auslaufen sollte.